Hansesail Rostock 2013
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Ich habe Boote lange gemieden …

Bei Wellengang wurde mir schlecht. Und wenn ich «schlecht» schreibe, dann meine ich richtig, richtig übel. Auf einem Ausflug an der Küste Irlands wollte ich mein Leben beenden und über Bord springen – so schlimm war es für mich. Das war vor über 15 Jahren.

Heute kann ich es kaum erwarten, wieder an Bord zu gehen. Der Sinneswandel kam schleichend und dafür ist zum grössten Teil mein Mann, Adrian, verantwortlich. Ein paar Monate nach unserem Kennenlernen reisten wir nach Rostock zur jährlich stattfindenden Hansesail. Bereits seit seinem 13. Lebensjahr pilgert er jedes Jahr dorthin, um die Traditionssegler zu bestaunen, fotografieren und mitzufahren. Letzteres machte mir Tage vor der Abreise zu schaffen. Ich habe mich zusammengerissen und mich ins kalte Wasser gestürzt – also glücklicherweise nur metaphorisch – und habe es wider erwarten genossen. Den Wind in den Haaren, die vorbeiziehende Landschaft und die gemütliche Art zu reisen, haben mich in ihren Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Ich bin zuvor rund um die Welt gejettet – von einem Flughafen zu nächsten gehetzt, in vollgestopften Bussen über schmale Pässe gefahren oder auf Velo-Rikschas durch die überfüllten Strassen Indiens geschlängelt. Immer begleitet vom Gefühl alles im Reiseführer abhaken zu müssen. Total erschöpft kam ich zurück mit dem Gefühl des Verlustes im Gepäck.

„Heute verstehe ich, dass es nicht darum geht möglichst viel zu sehen, sondern den Tag zu geniessen – egal wo man ist.“

Annina

Das Reisen auf dem Wasser ist ganz anders. Die Zeit scheint hier langsamer zu gehen. Ruhig gleitet man voran und endlich hatte für mich die Aussage «Der Weg ist das Ziel.» auch eine Berechtigung beim Unterwegssein. Heute verstehe ich, dass es nicht darum geht möglichst viel zu sehen, sondern den Tag zu geniessen – egal wo man ist. An Bord gelingt mir das am einfachsten. Den Blick über das Wasser gleiten zu lassen, das leise Klappern der Seile am Mast und die frische Luft – vielleicht auch eine leichte Brise, die mich umgibt – das alles ist Lebensqualität, die ich nicht mehr missen möchte.

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