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Warum eine Grand Banks? Darum.

Warum haben wir uns genau dieses Schiff gekauft? Und warum eine Grand Banks auf den holländischen Kanälen und keine Barkasse mit typischem Stahlrumpf? Nun, die Antwort wird wohl etwas enttäuschen und dennoch will ich sie nicht vorenthalten: das Angebot war da. So einfach.

Noch vor einem Jahr hatte ich keine Ahnung von Grand Banks Jachten. Ich wusste wohl, dass es sie gibt – mehr aber auch nicht. Und sie entsprachen auch nicht genau dem Bild, das ich mir in meinem Kopf während der letzten 20 Jahren ausgemalt hatte. Ich stehe auf Holz und Stahl. Auf Tradition und Seemannschaft. Auf Handwerk und Mechanik. Wenn man sich diese Punkte betrachtet und sich mit den Schiffen von Grand Banks etwas auskennt, sieht man aber hier bereits viele Parallelen.

Schiffe des Herzens

Aber so schnell geht es dann doch nicht. Am meisten liebe ich die Traditions-Segelschiffe. Alte Kähne, aber oftmals noch top in Schuss. Viele haben schon 80, 100 oder mehr Jahre auf dem Buckel. Schwimmen seit zwei oder drei Generationen. Unzählige Seeleute haben auf ihnen ihren Dienst verrichtet, auf ihnen Wache geschoben und sind mit ihnen über die Meere gereist. Es sind anmutige Anblicke. Sie strahlen Stille und Stolz aus und erwecken Ehrfurcht und Sehnsucht in mir. Auf etlichen von ihnen bin ich mitgesegelt – noch jedes von ihnen habe ich im Herzen.

Doch so ein altes Segelschiff konnte es nicht werden. Sie verlangen einem alles ab – von den Anschaffungskosten abgesehen. Man kann sie kaum nur finanzieren, indem man sie verchartert. Und sie fordern von einem die ganze Seele. Nicht nur ein Stück davon.

Ruhiges Gleiten

Generell kam kein Segelschiff in Frage, denn Annina ist (noch) nicht so ganz seefest. Und das unentwegte Schaukeln des Bootes auf dem offenen Meer wäre nichts für sie. Immerhin konnte ich sie vom Fahren mit Motorschiffen auf Binnengewässern überzeugen. Und zum Glück liebt auch sie es.
Daher wanderte mein Auge vom Meer hin zu den Flüssen, Seen und Kanälen. So eine holländische Barkasse würde mir gefallen. Keine überflüssigen Aufbauten, flach, um unter allen Brücken durch zu kommen und mit einem schönen, stählernen Rumpf mit blank poliertem Lack.

So richtig auswandern?

Die letzten Jahre hatten wir uns zudem überlegt, wie das Leben wäre, wenn wir Haus und Land verliessen und ganz auf ein Schiff ziehen würden. Ein ungebundenes, freies und entschleunigtes Leben. Also schauten wir uns auch nach grösseren, bewohnbaren Schiffen um. Eine Luxemotor zum Beispiel. Von denen gibt es in Holland noch etliche. Sie eignen sich gut als schwimmende Wohnungen und sind zudem klassisch schön. Genau nach meinem Geschmack. Ein richtiges Schiff.

Bei der Suche nach einem passenden Schiff sind wir auf eine Luxemotor gestossen, welche Schweizer Eigner hat. Einfach so übers Internet, nicht zum Verkauf. Die beiden Eigner verbrachten während der letzten Jahren viele Monate auf dem Schiff und so beschlossen wir, mit ihnen Kontakt aufzunehmen und sie über das Leben auf einem Schiff auszufragen – viel wollten wir wissen.

Nach reiflichen Überlegungen sind wir dann zum Schluss gekommen, dass wir unser Haus und die lieben Freunde nicht ganz zurücklassen wollten. Es sollte also ein Schiff werden, das wir nicht ganzjährig bewohnen würden.

Vom Zufall – zur Wahl

Und da spielte uns der Zufall eine neue Karte in die Hand. Die Eigner der Luxemotor hatten einen Bekannten, von dem Sie wussten, dass er sein Schiff verkaufen möchte. Eine Grand Banks sei es. Sie gaben mir die Kontaktdaten. Ich schrieb am nächsten Tag eine E-Mail.

Schnell entstand eine Freundschaft. Anfang dieses Jahres reisten wir gemeinsam nach Holland, wo das Schiff lag, um es zu besichtigen. Wir waren begeistert. Doch lag die Grand Banks noch in der Winterhalle und somit war eine Probefahrt nicht möglich. Wir vereinbarten im Frühjahr eine kleine Reise zu machen und bei Gefallen das Schiff zu kaufen.

Krux und Krone

Doch dann kam Corona … Lockdown, keine Reisen ins Ausland, keine Probefahrt mit dem Schiff.

Mitte Juni war es dann endlich soweit. Die Grenzen waren wieder offen und sofort setzten wir uns ins Auto und fuhren gen Norden. Ich muss gestehen, dass mir der Kauf eines Schiffes in dieser Zeit widerstrebte. Zu unsicher war es mir und keiner weiss, wie sich die Lage entwickelt und ob man in ein paar Monaten überhaupt noch einen Job hat. Ich war unsicher.

Am Abend es ersten Tages dann die grosse Frage: wie weiter? Kaufen wir das Schiff? Ohne Annina hätten wir nun wohl noch keine Vána. Sie sagte: „Wir machen’s. Es ist nie die richtige Zeit.“

So sind wir zu unserer Grand Banks 42 Classic gekommen. Und je mehr Zeit wir auf ihr verbringen, desto mehr lieben wir sie. Der Zufall hat für uns die richtige Wahl getroffen. Ich würde sie nicht mehr hergeben wollen, unsere Vána.

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